Das Regierungspräsidium war mit dem Ausstellen meiner Lizenz schneller, als alle Erfahrungswerte, die ich gesagt bekam: Nicht mal ganz zwei Wochen brauchten sie ab der Prüfung. Heute lag ein Brief mit meiner "Lizenz für Privatpiloten (Flugzeug)" im Briefkasten.

Ende Juli erhielt ich ein Schreiben vom Regierungspräsidium mit den Kontaktdaten der mir zugewiesenen Prüferin für die praktische Prüfung. Da ich jedoch Anfang August auf dem Fliegercamp des CPV war und noch einiges vorzubereiten hatte, versuchte ich erst am Dienstag letzter Woche, meine Prüferin zu erreichen. Leider erreichte ich sie weder am Dienstag noch am Mittwoch. Am Donnerstag Morgen hatte ich dann endlich Erfolg, allerdings nur den, sie zu erreichen. Einen Termin konnten wir nicht mehr ausmachen, da nun sie auf dem Weg in den Urlaub war. Also sollte ich einen anderen Prüfer zugewiesen bekommen.

Nachdem dann heute noch immer keine Post vom RP da war, rief ich dort noch einmal an und bekam die Handynummer des neuen Prüfers. Den rief ich dann auch gleich an.

"Welchen Schein machen Sie?"
"PPL".
"Wo fliegen Sie?"
"Auf der Hahnweide."
"Ah, ok. Wie sieht es zeitlich bei Ihnen aus?"
"Diese und nächste Woche bin ich noch sehr flexibel, da habe ich noch Urlaub. Danach dann auch noch relativ flexibel, aber eben nicht mehr ganz so wie jetzt."
"Ok. Ja dann machen wir es heute um 15 Uhr. Das Wetter ist gut und ich habe Zeit."
"... ähm.."
"Ich weiß, dass ist jetzt etwas überfallartig, aber ich werde es berücksichtigen, dass Sie keine Zeit hatten, sich vorzubereiten."

Also aß ich noch schnell was und machte mich auf den Weg nach Kirchheim unter Teck. Kurz nach dem Losfahren erinnerte ich mich an die Stille Zeit heute morgen, in der ich meinem Herrn die Kontrolle über mein Leben neu übergeben hatte. Also sagte ich Ihm jetzt: "Das ist deine Prüfung. Ich kann nichts dazu tun, unter diesen Umständen sowieso nicht. Ich stelle mich zur Verfügung und was ich gelernt habe, aber machen musst Du."

Und dann kam die Prüfung: Zuerst viele Fragen zum Vorflugcheck und Bauteilen des Fliegers und ihren Funktionen. Diese zu beantworten war kein Problem. Das meiste hatte ich schon vom Modellflug gewusst und den Rest in der Ausbildung gesagt bekommen. Der eigentliche Prüfungsflug erinnerte mich dann mehr an einen der Prüfungsvorbereitungsflüge mit meinem Fluglehrer als an eine Prüfung. Mein Prüfer stelle Fragen, ich beantwortete die meisten mühelos und er gab mir noch eine Erklärung oder Hintergrund-Informationen dazu.

Auf dem Heimweg zur Hahnweide frage er mich dann, wo ich in Zukunft fliegen werde. Ich erzählte ihm von meiner Ausbildung zum Missionspiloten und es stelle sich heraus, dass er die Missionsfliegerei recht gut kennt. Er kennt schon seit längerem Holger Lasi, Missionspilot mit MAF in Papua Neuguinea und hat erst vor ein paar Wochen wieder einen Checkflug mit ihm gemacht, um einen Teil der deutsche Lizenz zu verlängern.

Nach der Landung gratulierte er mir erst mal zu der guten Leistung, schränke sein Lob aber gleich wieder ein, da meine Leistung überdurchschnittlich war, weil der Durchschnitt nicht besonders gut ist - und dabei bin ich mir sicher, dass er einen Grund gefunden hätte, um mich durchfallen zu lassen, wenn er gewollt hätte! Dann gab es noch etwas Papierarbeit und die Prüfung war erledigt. Drei Stunden vom Bekanntwerden des Termins bis zur bestandenen Prüfung!

Der erste Teil der Ausbildung ist geschafft. Jetzt heißt es nur noch, vier bis fünf Wochen warten, bis das Regierungspräsidium die Lizenz ausgestellt hat.

Heute Abend durfte ich meinen ersten Solo-Überlandflug und meinen bisher schönsten Flug überhaupt machen. Von der Hahnweide nach Donau-Eschingen und zurück, 1,5 h bei herrlichem Wetter, super Sicht, ruhiger Luft und fast kein Verkehr mehr. Und wie es mein Fluglehrer danach ausdrückte: "Endlich mal keiner, der immer reinquatscht!" ;-)
Ich habe es einfach nur genossen.

Um zur praktischen Prüfung zugelassen zu werden, muss der Prüfling einige Voraussetzungen erfüllen. Dazu gehören zum Beispiel insgesamt 45 Stunden PIC (Pilot in Control, verantwortlicher Pilot), davon 10 Stunden Solo und von den 10 wiederum 5 Stunden Solo-Überland. Die letzten beiden Voraussetzungen erfülle ich nun schon seit ca. zwei Wochen, aber es fehlten noch ein paar Stunden zu den 45 und ohne die kann ich mich nicht zur Prüfung anmelden. Nach der heutigen Flugstunde rechnete ich meine Gesamtflugzeit aus und lag bei ca. 44,5 Stunden. Da wir noch für eine halbe Stunde das Flugzeug zur Verfügung hatten, bin ich nochmal los und habe mir meine frühere FH, das untere Becken des Pumpspeicherwerk Glems und den Hohen Neuffen aus der Luft angesehen. Danach rechnete ich dann erneut und mein Fluglehrer stand daneben und meinte: "Wie jetzt fehlt noch was?" Ich rechnete fertig und antwortete dann: "Nein, auf die Minute genau 45 Stunden!" Und so konnte ich mich dann gleich noch zur Prüfung anmelden.

Nach fast 18 Flugstunden mit drei unterschiedlichen Flugzeugen und drei unterschiedlichen Lehrern hat mich mein Haupt-Fluglehrer heute überrascht. Die letzten Flugstunden haben wir intensiv mit Platzrunden verbracht. Das bedeutet, dass wir starteten, die vorgegeben Platzrunde (eine definierte Strecke, auf der sich sämtliche An- und Abflüge vom und zum Platz abspielen müssen) flogen und dann wieder landeten um, wenn möglich, sofort wieder durchzustarten und dann alles wieder von vorne zu beginnen. Ziel dieser Platzrunden ist hauptsächlich, das Landen zu lernen. Es muss das Einschätzen von Entfernung und Höhe für den richtigen Anflug und das Landen selbst trainiert werden.

Nach den letzten Stunden war ich etwas deprimiert, da ich den Eindruck hatte, zu üben und zu üben, aber keine wirklichen Fortschritte mehr zu machen. Da war es eine nette Überraschen, als mich heute mein Fluglehrer nach vier Platzrunden nach der Landung abbremsen und auf den Parkplatz rollen ließ. Er erklärte mir, dass es nach seiner Ansicht keinen Sinn machen würde, weiter wie bisher Platzrunden zu fliegen, da dies mehr kaputt als gut machen würde. Er wollte mich alleine fliegen lassen, brauchte dafür jedoch einen zweiten Fluglehrer, der grünes Licht gab. Also flogen wir von Heubach, wo wir die Platzrunden geflogen hatten, zurück zur Hahnweide. Dort tauschte ich mit einem anderen Flugschüler den Lehrer und wir flogen beide wieder nach Heubach, wo ich nach einer weiteren Platzrunde meinen vierten Fluglehrer auch aussteigen lassen und dann drei Runden alleine fliegen durfte.